Fashion experiments and frivolous advertising determined the shop window design. To the disadvantage of women, who found themselves more and more as sex objects. The shop window decoration of the 1970s was not only distinguished in the increasingly sexualized representation of the female mannequins, but also focused on the mannequin itself. The eye-catchers were increasingly reduced and clothing was shown mainly on figures. They relied on mannequins of the same design and/or series and placed them in groups or rows. With the help of a partly expressive facial expression, combined with an exposed posture and gestures, the shop window designers set the figures in the limelight accordingly. These were either sensual and seductive with a penchant for lasciviousness, or raptured and dreamy. the figures were built according to realistic models, but hadn't hardly any points of reference with living women.
Modeexperimente und frivole Werbung bestimmten das Schaufensterdesign. Zum Nachteil von Frauen, die sich mehr und mehr als Sexobjekte wiederfanden. Die Schaufensterdekoration der 1970er Jahre zeichnete sich nicht nur durch die zunehmend sexualisierte Darstellung der weiblichen Schaufensterfiguren aus, sondern konzentrierte sich auch auf die Schaufensterfigur selbst. Die Blickfänge wurden immer weniger und die Kleidung wurde vor allem auf Figuren gezeigt. Schaufenstergestalter setzten Schaufensterfiguren des gleichen Designs und/oder der gleichen Serie ein und platzierten sie in Gruppen oder Reihen. Mit Hilfe eines teils ausdrucksstarken Gesichtsausdrucks, kombiniert mit einer exponierten Körperhaltung und Gestik setzen die Schaufenstergestalter die Figuren entsprechend in szene. Diese waren entweder sinnlich und verführerisch mit einem Hang zur Laszivität oder entrückt und verträumt. Obwohl die Figuren nach realistischen Modellen erstellt wurden
hatten. aber kaum Bezugspunkte zu lebenden Frauen.
1977: The room, which is decorated in pink lacquer foil, contrasts with the shiny, printed dresses of the figures, whose pink flowers are reflected in the hue of the blank disk. Two of the figures are restrained in their gestures and make themselves small in their spatial claim behaviour through the tight-fitting arms. Her facial expression also reveals modest behavior. The figure on the right of the picture shows an expansive gesture, but shows itself sexually bending, not least pushed forward by the bruised lips and the bare shoulder.
1977: Der Raum, der in rosa Lackfolie gehalten ist, kontrastiert mit den glänzenden, bedruckten Kleidern der Figuren, deren rosa Blüten sich im Farbton der Lackfolie widerspiegeln. Zwei der Figuren sind in ihren Gesten zurückhaltend und machen sich in ihrem räumlichen Anspruchsverhalten durch die eng anliegenden Arme klein. Ihr Gesichtsausdruck verrät auch ein bescheidenes Verhalten. Die Figur rechts im Bild zeigt eine ausladende Geste, zeigt sich aber sexuell verbiegend, nicht zuletzt durch die geprellten Lippen und die nackte Schulter nach vorne geschoben.
1971: Dieses Schaufenster ist ein Beispiel einer Reihe von Fenstern, die das Kaufhaus Karstadt am Nordbad in München, in Kooperation mit einem Autohaus erstellte. Dieses Schaufenster zeigt Damenmode an einer Gruppe weiblicher Schaufensterfiguren, die in unregelmäßigen Abständen zusammen stehen. Interessant ist aber hierbei die Gestaltung der Rückwand, die den einzigen Blickfang bietet. Übergroß zeigt die Fototapete eines zu einem Chopper umgebauten Motorrades. Das Motorrad wurde während der Fahrt fotografiert und wird von einem Mann in Rockerkleidung gesteuert. Auf dem Sozius sitzt eine völlig unbekleidete Frau und klammert sich an den Fahrer. Sie hat die Arme um seinen Hals gelegt und den Kopf nach hinten geworfen, so dass ihre Haare nach hinten fallen. Ihre Augen sind hingebungsvoll geschlossen. Sie demonstriert so ihre Abhängigkeit vom Fahrer des Motorrades. Er angezogen, sie nackt. Motorradfahren steht für Freiheit...für wessen Freiheit?
1971: This shop window is an example of a series of windows created by the department store Karstadt am Nordbad in Munich, in cooperation with a car dealership. This showcase shows women's fashion on a group of female mannequins standing together at irregular intervals. What is interesting here, however, is the design of the rear wall, which offers the only eye-catcher. The photo wallpaper of a motorcycle converted into a chopper shows oversized. The motorcycle was photographed while driving and is being driven by a man in rocker clothes. On the sun sits a completely unclothed woman and clings to the driver. She put her arms around his neck and threw her head backwards, causing her hair to fall backwards. Her eyes are devotedly closed. In this way, she demonstrates her dependence on the rider of the motorcycle. He dressed, she naked. Motorcycling stands for freedom... for whose freedom?
Soll wohl witzig sein: Entdeckt im Jahre 1973, Seite 16. Ein Münchner Kaufhaus (Name unbekannt), präsentiert Miederwaren in musealer Umgebung. Das Schaufenster schrieb unter der Überschrift »Münchens erstes Buseum«, folgende Zeilen: »Die Wortschöpfung Buseum verdient einen Preis! Eine köstliche Idee für die entzückenden Fenster mit Büstenhaltern und anderer Damen-Unterwäsche. Da passte alles zusammen, auch die busealen Mannequins!« (Das Schaufenster 05/1973: 16)
Das Fenster hat die Atmosphäre eines Museums, welches der Schaufenstergestalter wörtlich in ein »Buseum« umgewandelt hat. Hier wurde mit einem Wortspiel die weibliche Brust in ein museales Schaubild verwandelt. Ha. Ha. Sehr lustig. Nicht 🥴👎🏼
Should be funny: Discovered in 1973, page 16. A Munich department store (name unknown), presents corsetry in a museum environment. Under the heading "Munich's first buseum", the shop window wrote the following lines: "The word creation Buseum deserves a prize! A delicious idea for the adorable windows with bust holders and other women's underwear. Everything fit together, including the buseal mannequins!" (Das Schaufenster 05/1973: 16)
The window has the atmosphere of a museum, which the shop window designer has literally transformed into a "buseum". Here, with a pun, the female breast was transformed into a museum diagram. Ha. Ha. Very funny. Not. 🥴👎🏼 👯♂️👯♂️👯♂️
Unter der Überschrift »Kaschkes Spiele«, die auf den ausführenden Schaufenstergestalter Ulrich Kaschke zurückzuführen ist, zeigte die Firma Karstadt in Hamburg exklusive Damenmode. Im dunkel gehaltenen Schaufensterraum befinden sich zwei weibliche Schaufensterfiguren, die bunte, bodenlange Sommerkleider tragen. Die beiden Figuren sind baugleich und stehen sich in der Mitte des Raumes gegenüber. Sie blicken in entgegen gesetzter Richtung aneinander vorbei. Die Figuren haben ihren jeweils rechten Arm angewinkelt, an dem eine kleine Handtasche befestigt ist. Der linke Arm ist leicht nach hinten gewandt und nach unten ausgestreckt. Die Finger der Hand sind krampfartig angewinkelt. Der Blick geht geradeaus, die Mimik ist emotionslos.
Auffallend an der rechten Figur ist das an der Brust verrutschte Kleid. Es gibt die linke Brustwarze frei. Zufall? Mitnichten!
Under the heading "Kaschkes Spiele", which is due to the executive shop window designer Ulrich Kaschke, the company Karstadt in Hamburg showed exclusive women's fashion. In the dark shop window room there are two female mannequins wearing colourful, floor-length summer dresses. The two figures are identical in construction and face each other in the middle of the room. They look past each other in the opposite direction. The figures have their right arm angled, to which a small handbag is attached. The left arm is slightly facing backwards and stretched out downwards. The fingers of the hand are angled like a spasm. The view goes straight ahead, the facial expressions are emotionless.
Striking on the right figure is the dress that slipped on the chest. It releases the left nipple. Chance? By no means!
The photo is from 1972 and shows a shop window decoration in a Munich department store. Under the motto "Ride into pleasure", the carnival should be presented particularly sex. Unfortunately, sexy has become sexist and the mannequin, which is undoubtedly reminiscent of Brigitte Bardot, could have come from an erotic film.
Das Foto ist von 1972 und zeigt eine Schaufenster-Dekoration in einem Münchner Kaufhaus. unter dem Motto „Ritt ins Vergnügen“, soll der Fasching besonders sexy dargestellt werden. leider ist aus sexy sexistisch geworden und das Mannequin, welches unzweifelhaft an Brigitte Bardot erinnert, könnte einem Erotikfilm entsprungen sein.
Wer verkaufen will, kann sich keine monotonen Fenster leisten. Die Prise Sex in der szenischen Gestaltung dieser Serie gab den Augsburgern Gesprächsstoff und den Kassen Umsatz. Drei lebensnahe Szenen zeigten die »verführerische Eva« so, wie der Mann sie gelegentlich wohl gerne überraschen würde: Beim Probieren soeben gekaufter Dessous, nicht ganz korrekt im Büro oder daheim im Kreis der Freundinnen bei einer Tasse Kaffee.« (Das Schaufenster 01/1979: 6) Die drei zusammenhängenden Schaufenster zeigen deutlich das Geschlechterverständnis dieser Zeit. Sex im Schaufenster entspricht nackten, bzw. halbnackten Frauen, die bei einer intimen Handlung beobachtet werden und schamhaft reagieren, wenn sie ertappt werden. Der dominante (bekleidete) Mann überrascht die hilflosen Frauen und lacht gönnerhaft. Hier werden frivole Fantasien des Dekoteams unter männlicher Leitung bildhaft umgesetzt. Sex kurbelt laut Beschreibung den Umsatz an und demonstriert Frauen, wie sie sich zu verhalten haben: Unterwürfig und objekthaft.
If you want to sell, you can't afford monotonous windows. The pinch of sex in the scenic design of this series gave the Augsburgers conversation material and the box office sales. Three lifelike scenes showed the "seductive Eva" in a way that the man would occasionally like to surprise her: when trying lingerie just bought, not quite correctly in the office or at home with a cup of coffee among the girlfriends." (Das Schaufenster 01/1979: 6) The three contiguous shop windows clearly show the gender understanding of this time. Sex in the shop window corresponds to naked or half-naked women who are observed in an intimate act and react shamefully when they are caught. The dominant (clothed) man surprises the helpless women and laughs patronisingly. Here, frivolous fantasies of the decoration team under male leadership are figuratively implemented. According to the description, sex boosts turnover and demonstrates to women how to behave: submissive and object-like.
What was slowly beginning to take place in the shop windows of the 1960s in terms of sexuality hardly knew any limits in the 1970s. These border crossings took place almost exclusively in the representation of women. The women's movement and the shop window advertising were parallel worlds that drifted further and further apart: in this shop window one recognizes the zeitgeist: 'Sex in the shop window' means here: the naked woman as a commodity carrier. The hands of the silhouettes indicate sexual acts on the women's bodies. This type of shop window advertising is symptomatic of an increasing sexualization of advertising, which sees women as objects.
Das Schaufenster wrote at the time: "These windows are skillfully and modernly designed, which achieved a strong appearance, especially through graphic and also plastically displayed mannequins. They form a new contribution to the topic of "sex in the shop window". (The shop window 03/1971: 41)
Was sich in den Schaufenstern der 1960er in punkto Sexualität langsam anbahnte, kannte in den 1970ern kaum noch Grenzen. Diese Grenzüberschreitungen fanden fast ausschließlich in der Darstellung von Frauen statt. Die Frauenbewegung und die Schaufensterwerbung waren Parallelwelten, die immer weiter auseinander drifteten: In diesem Schaufenster erkennt man den Zeitgeist: ‚Sex im Schaufenster’ bedeutet hier: Die nackte Frau als Warenträger. Die Hände der Silhouetten deuten sexuelle Handlungen an den Frauenkörpern an. Diese Art der Schaufensterwerbung ist symptomatisch für eine zunehmende Sexualisierung der Werbung, die Frauen als Objekt betrachtet.
Das Schaufenster schrieb seinerzeit: »Gekonnt und modern gestaltet sind diese Fenster, die vor allem durch graphisch und auch plastisch gezeigten Mannequins eine starke Ausstrahlung erzielten. Sie bilden einen erneuten Beitrag zum Thema »Sex im Schaufenster«. (Das Schaufenster 03/1971: 41)
1976: Three female mannequins of the same series, different-height pedestals and, as an eye-catcher, two curtains made of plastic water drops form the basis of this shop window design. Under the motto "Eva's second skin", the kröll & Nill department store in Augsburg offered bodices for a specific target group of women who position themselves according to their target group. What do the figures with their arm gestures defend...?
1976: Drei weibliche Schaufensterfiguren gleicher Serie, verschieden hohe Podeste und als Blickfang zwei Vorhänge aus Kunststoff-Wassertropfen bilden die Grundlage dieser Schaufenstergestaltung. Unter dem Motto »Evas zweite Haut« offerierte das Kaufhaus Kröll & Nill in Augsburg Miederwaren für eine bestimmte Zielgruppe von Frauen, die sich entsprechend ihrer Zielgruppe positionieren. Was wehren die Figuren mit ihren Armgesten ab...?
In Formen und Farben ist dieses Schaufenster beispielhaft für die modische Strömung Anfang der 1970er Jahre. Das Design der Visiona-Ausstellungen stand Pate für die Farb- und Formgestaltung dieses Fensters. Die farbenfrohe Beklebung der Glasscheibe ist ebenfalls dem von Verner Panton entworfenen Textildesign Mira-Spectrum nachempfunden. Die Schaufensterfigur (Fa. Schläppi ‚Loisir’) ist allerdings ein Auslaufmodell, da die androgyne Kindfrau nicht mehr dem Zeitgeist entsprach.
Die außergewöhnlichen Figuren der Schweizer Firma Schläppi erfuhren auf der EuroShop 2020 eine Renaissance. Seit 2001 gehört die Firma Schläppi zu Bonaveri. Die Schaufensterfigurenmanufaktur, die bereits das Sechzigerjahre-Topmodel Twiggy als Figur neu auflegte, gab mit dieser Figur eine Reminiszenz an die Siebzigerjahre.
In shapes and colours, this shop window exemplifies the fashionable current of the early 1970s. The design of the Visiona exhibitions was the godfather for the colour and shape design of this window. The colourful adhesive of the glass pane is also modelled on the textile design Mira-Spectrum designed by Verner Panton. The mannequin (fa. Schläppi 'Loisir') is, however, a discontinued model, since the androgynous child woman no longer corresponded to the zeitgeist.
The extraordinary figures of the Swiss company Schläppi experienced a renaissance at EuroShop 2020. Since 2001, Schläppi has been part of Bonaveri. The mannequin factory, which already reissued the sixties top model Twiggy as a figure, gave with this figure a reminiscence of the seventies.